Union Youth - 05.12.01 Berliner Columbia Fritz
- Was hatte ich mich auf diesen Tag gefreut. Seit rund zwei Monaten war mir das Datum
bekannt und ich wusste, dies würde eines der Konzerterlebnisse werden, die man alle paar
Jahre höchstens einmal erlebt. Scumbucket, Blackmail und Union Youth spielen zusammen.
Dieses Festival mit zwei Lieblingsband und einer sehr guten weiteren Band (Scumbucket)
sollte einmalig sein. Und dann plötzlich, zwei Tage vorher, wurde ich krank, Grippe! Was
habe ich mich geärgert. An diesem Mittwoch ging es mir immer noch sehr dreckig und ich
bereitete mich drauf vor, mir wohl nur Union Youth anzuschauen und dann wieder nach Hause
zu schleichen. Doch, am Columbia Fritz angekommen, fingen fast zeitgleich Scumbucket an zu
spielen und gleichzeitig war jedes Fiebergefühl verflogen und kam glücklicherweise an
diesem Abend kaum wieder. Scumbucket, bei denen übrigens Kurt Ebelhäuser für den Gesang
zuständig ist, der ja auch die ersten 5 Songs von Union Youth produziert hat, zusätzlich
noch bei Blackmail für die Gitarrenwälle Verantwortung übernimmt und wahrscheinlich das
ganze Event organisiert hat, spielten, wie ich es erwartet hätte. Ich kannte zwar kaum
was, aber sie waren laut und brachial, wie erwartet, halt. Nach einem relativ kurzen Set
kamen Union Youth und bald darauf, als furioser Abschluss, Blackmail. Auch diese spielten,
wie man es von ihnen gewohnt ist. Was soll ich dazu sagen, laut, extrem kraftvoll und gut
gelaunt, wie immer.
-
Lieber wäre mir allerdings gewesen (womit ich aber auch nicht gerechnet hätte), wenn
man Ex-Jonas als letztes eingeplant hätte. In dieser Reihenfolge verblasste ihr Auftritt
besonders schnell. Ist ja auch nicht verwunderlich, dass bei drei (oder zwei) annähernd
gleich guten Bands, der jeweils letzte nachträglich am besten in der Erinnerung verankert
ist. Noch dazu kommt das Hauptproblem, dass ich bei Blackmail alles kannte, bei Union
Youth dagegen rein gar nichts. Und normalerweise ist es ja so, dass man Bands, von denen
man nichts kennt, nie so gut findet, wie die, bei denen man jedes Lied mitsummen könnte.
Dafür hat es meine Ex-Lieblingsband (Jonas) aber hervorragend geschafft, mich zu
überraschen und zu begeistern. Was die Herren, deren bekanntere Hälfte ich schon über
zwei Jahre nicht mehr live gesehen hatte, da an den Tag gelegt haben, ist schon
unglaublich gewesen. Rund eine halbe Stunde rockten sie sich durch ein Programm von 8 oder
9 Songs und überzeugten mich dabei vollends davon, dass Jonas zwar tot sind, Union Youth
aber würdige Erben sind. Zusätzlich würde ich sie auch noch als würdige Erben einer
Band ansehen, bei der ich bisher dachte, keine Band würde jemals das Potential
aufbringen, wie diese: Nirvana! Dabei kopieren sie aber keineswegs auf plumpe Weise ihren
Stil, sondern machen aus diesem Einfluss etwas eigenes, welches aber den selben Eindruck
hinterlässt. Ich habe nie eine der bekannten, unter Grunge kategorisierten Bands gemocht,
weil ich dabei immer dachte, sie müssten Nirvana irgendwie ähnlich sein. Waren sie aber
nie. Und nun kommt hier eine Band, deren Gitarren den grungigen (ich verbinde den Begriff
immer mit kräftigem, aber durch und durch pessimistischen, doch nicht radikalen
Grundklang...wie es halt nur Nirvana geschafft haben) Sound genauso überzeugend
rüberbringen. Ich will damit nicht sagen, dass sie geklaut haben (vielleicht ein wenig
abgeguckt), denn die Musik klingt nicht genauso, sie hat nur den gleichen Grundgedanken
(den ich mir vielleicht auch nur hineindenke), genau wie beim Gesang. Die Stimme erinnert
zwar natürlich noch an Jonas-Zeiten, aber hat einen grundtraurigen und verzweifelten
Klang dabei (auch oder besonders, wenn Mathias schreit, was jetzt öfter vorkommt und was
ich schon immer liebte), wie es nur eine Band bisher geschafft hatte.
- Während des Auftrittes dachte ich die ganze Zeit nur, mann, das ich das erleben darf.
Genau mit der gleichen düsteren Gewalt hätte ich mir immer ein Nirvana-Konzert
vorgestellt, welches ich leider nie erleben durfte. Ich ging dabei sogar so weit, daran zu
denken, was gewesen wäre, wenn Union Youth 10 Jahre früher und aus Seattle gekommen
wären. Ich glaube, der Gedanke ist nicht wirklich weit hergeholt. Sie schlagen in die
selbe Kerbe, auch wenn sie nicht ähnlich klingen. (ich frage mich, ob meine
Gedankengänge irgendwer versteht). Übrigens könnte man bestimmt auch noch genügend
andere Bands als Einfluss angeben (laut Visions: SST und Dischord), diese kenne ich aber
nicht.
- Das dumme ist, dass ich keinen Tonträger von Union Youth besitze, denn so kann ich mich
nur noch an meine Gedankengänge während und direkt nach dem Konzert erinnern, aber nicht
direkt an die Musik. Wären Blackmail nicht noch danach gekommen, wären sie bestimmt in
noch besserer Erinnerung. Aber wenn eine eigentlich unbekannte Band mich so überzeugen
kann, haben sie auf jeden Fall gewaltig was drauf. Jetzt kann ich nur noch auf eine
hoffentlich bald erscheinende CD hoffen! Ich bin ja sowas von gespannt....
Der Bericht wurde verfasst von Mick [0]
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