Union Youth - 11.11.2002 Große Freiheit 36 Hamburg

 
 
Pünktlich zum Karnevalsbeginn lockte ein Konzert der musikalisch alternativeren Richtung die Massen, sollte man zumindest meinen. Doch diese Erwartung blieb unerfüllt. Trotz recht bekannter Bands, insbesondere der Headliner "A" oder auch "Gluecifer" erschien doch eher eine geringe Anzahl an Leuten, vermutlich verursacht durch den viel zu hoch gegriffenen Preis von 18,- Euro. Diese
doch recht magere Ausbeute an eventuellen Pogo- oder auch nur Umherspringpartnern verminderte jedoch nicht meine Vorfreude auf das gleich Kommende, schließlich sollten neben den bei mir nicht so beliebten Bands "A" und "Gluecifer" auch "Union Youth" als Vorband aktiv werden. Union Youth, für mich die aufstrebendste Band des letzten Jahres und Nachfolge-Band von "Jonas", machten mir doch sehr viel Hoffnung auf ein Musik-Erlebnis der Extraklasse. Positiv beeinflußt durch das vor 2 Monaten erschienene Album "The Royal Gene", ein Kracher vor dem Herrn, ging ich also freudestrahlend in die Halle, wo es zu meinem Erschrecken noch leerer war als man es draußen bereits befürchten konnte. Selbst als der "Grund meines Erscheinens" dann begann zu spielen, blieb es
einfach nur stimmungslos, die ersten paar Reihen, sonst der heiligste Ort eines jeden Konzertes (neben der Theke), waren komplett unbesucht, so mußte ich mich nach jedem Song auch nochmal umdrehen, um sicher zu gehen, nicht der einzige Nicht-Band-Zugehörige in der Halle zu sein. Insgesamt kommt bei jedem Soundcheck einer x-beliebigen Dorf-Grindcore-Band mehr Stimmung auf als es am 11.11. der Fall war....
Leider, denn Union Youth legten einen atemberaubenden Auftritt aufs Parkett, so daß einem nur so die Spucke wegblieb. Es wurde gerockt was die Verstärker so her gaben, nur leider sprang der Funke nicht auf das sehr dürftige Publikum über. Punk sei Dank ließ sich die deutsche Grunge-Hoffnung (´tschuldigung für den Ausdruck) nicht von der allgegenwärtigen Stimmung anstecken, so daß
es wirklich von Anfang bis Ende ein Erlebnis war, wo insbesondere die extrem lange Fassung von "Everything too short" einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Eben genannter Song war dann auch der, leider verfrühte, Abschluß eines zu Unrecht nicht gewürdigten Gigs, was für mich der einzige Kritikpunkt wäre. Die ganze Sache hätte ruhig etwas länger dauern können, denn eine gute halbe Stunde ist nun nicht das Gelbe vom Ei. 
Nach einer kurzen Pause machten sich "Gluecifer", mir nur durch einige wenige Songs bekannt, daran, die Stimmung in der Halle etwas zu heben, was zu meinem Erstaunen auch gelang. Kaum kommen dort fünf lächerliche Poser auf die Stage marschiert, schon begibt sich die Masse Richtung Band. Als diese Buben dann auch noch begannen, ihren Pop der Menge kund zu tun, fängt das Publikum doch glatt an zu tanzen und zu springen. Animiert durch einen kitschig anmutenden Sänger, der wohl zu viele AC/DC Videos geschaut hat, geht da auf einmal was... Respekt, doch warum nicht eine halbe Stunde vorher, wo wenigstens die Musik dementsprechend war. Ich dachte, ich bin im falschen Film, und diese Hampelmänner konnte ich mir auch nur kurze Zeit antun, setzte mich danach möglichst weit von den Boxen weg und kuckte, wo die Wand am weißesten ist ... was für ein Abend.
Kurz bevor "A" dann spielen wollten, räumte ich das Feld, vertrieben durch soviel schlechte Musik und fünf Pseudos auf den Brettern, die mal die Welt bedeuteten. 
Auch wenn dieser Bericht etwas abschreckend klingen mag, möchte ich euch doch dazu animieren, sich eine Bad Bentheimer Band namens "Union Youth" unbedingt anzuschauen. Und mit etwas Glück erlebt ihr ein Konzert, wo nicht der Großteil des Publikums erst dann beginnt, der Musik ihr Gehör zu schenken, wenn das Beste schon fertig und am Instrumente-zusammenpacken ist, was wohl nur dann passieren wird, wenn "Union Youth" sich von solch unpassenden Headlinern wie "gluecifer" und "A" loseist. So denn, rock on...
 
 
 
Der Bericht wurde verfasst von borkn [4] 

 


wenn du durch eine Suchmaschine hergefunden hast, kommst du hier zur Startseite