Union Youth - 20.03.2003 Hamburger Markthalle

 
Mein zehntes Union Youth Konzert also. Ich war die letzten zwei drei Male nicht wirklich völlig begeistert gewesen und zum ersten Mal hatte ich an dem Abend direkt auch nicht wirklich Bock aufs Konzert. 
Das Publikum war, wie erwartet, ziemlich seltsam, sind halt alle wegen Such A Surge gekommen. Alle hatten T-Shirts von den Deftones oder von Such A Surge und alles andere, was halt an Mode zu diesen Bands gehört, dabei. Aber seltsamerweise war der Altersdurchschnitt doch deutlich über zwanzig. Ich dachte, wenn man aus der Pubertät rauskommt, würde sich das mit deutschem Crossover wieder geben...
Union Youth fingen an und ich war vom ersten Ton an begeistert. Was mir diesmal zum ersten Mal in solchem Ausmaß auffiel, Sänger Maze hat einfach mal die geilste Stimme Deutschlands und die beste, die ich überhaupt jemals live sehen durfte. An diese Intensität und Ausdrucksstärke kommt einfach so gut wie niemand ran und erst recht nicht die ganzen Fatzken, die ach so harte und emotionale Musik machen. Kaum eine Band kommt überzeugender rüber. Und selbst wenn es stimmen würde, dass Union Youth nur Nirvana-Klone sind, dann wären sie die besten Nirvana-Klone die es bisher gab. Jeder Kritiker soll bitte einmal die Szene-Polizeiuniform ablegen und sich ganz unbefangen diese Band anschauen. Wer es dann nicht erkennt ist ein Opfer. Ich rege mich darüber nicht mehr auf, diese Leute tun mir leid, dass sie nicht aus ihrer Haut können.
Die Band war also an diesem Abend mal wieder in Höchstform. Hintereinander weg Vollgas, was die Instrumente und, ganz besonders, Mazes Stimme hergeben. Er schrie und brüllte sich die Seele aus dem Leib, es war mal wieder unglaublich und ich könnte nur freudig den Kopf schütteln. Habe ich schon erwähnt, das niemand an ihn herankommt?
Inzwischen erkannte ich auch schon neue Songs, das heißt, sie gingen besser ins Ohr und ich konnte erstmals mir eine Meinung drüber bilden. Wenn diese Lieder aufs neue Album kommen, dann ist großes zu erwarten. Sie scheinen melodiöser, eingängiger zu sein, lassen aber an Intensität keinesfalls nach, im Gegenteil. Besonders ein Song namens "Sister" könnte ein gewaltiger Hit sein. Obwohl es noch lange hin ist und es sich noch gar nicht lohnt, ein Wort darüber zu verlieren, fange ich an, gespannt zu werden. 
Die SAS-Jünger hatten scheinbar keinen Gefallen an wahrer Musik. Vorne war es sehr leer, es quetschten sich regelrecht alle nach hinten. Bloß nicht uncool sein und die Vorband gut finden. Ein paar standen vorne und bewegten sich ein bissel, zwei, drei pogten. Und einer nervte gewaltig. Auch in SAS-T-Shirt hatte er immer wieder vor, sich auf der Bühne zum Affen zu machen (was ihm auch gut gelang) und dann auf die 8 Leute vorne zu springen. Man hätte ihm erklären sollen dass man ein paar Leute mehr zum Stagediven braucht. Er versuchte es trotzdem und zwar oft. Da die Markthalle an Organisation und besonders von den Ordnern her ganz angenehm zu sein scheint, wurde ihm nicht von irgendeinem Ordner ins Gesicht getreten sondern er wurde immer und immer wieder höflich ermahnt. Eigentlich ganz gut so. 
Nach einem Auftritt, der mir länger als sonst erschien, kam schließlich am Ende "Everything Too Short" und es war noch besser als sonst, glaube ich. Die Band improvisierte auch mal ein bisschen mehr und so wurde das ganze, besonders mit Mazes verzweifeltem Gesang, besonders dramatisch. Sehe schön das ganze. Am Ende, zum finalen Schlussgeschrei fiel aber plötzlich das Mikro aus der Haltung. Maze ärgerte sich sichtlich und kurt darauf wurde es dann auch vom Kabel geköpft. Und plötzlich stand wieder die Nervensäge auf der Bühne und wollte ihm das Mikro vors Gesicht halten, gerade als dieser anfing, die Bühne ein bisschen umzuräumen und seine Gitarre zu misshandeln. Chaos auf der Bühne, der Ordner dann auch noch wieder da, um den Störer zu entfernen und dann ist Maze auch schon weg gewesen. Wurde doch das schöne Ende zerstört. Die anderen drei blieben aber noch kurz, bis Jan seine Gitarre wegschmiss, kurz darauf Nosse sich vom Bass befreite und schließlich Bowy sich für das Ende verantwortlich zeigte.
Ein überaus toller Auftritt mal wieder. Einer der besten bisher, aber das denke ich ja öfter. Leider aber auch der letzte bis zu den Festivals, den ich gesehen haben werde. 
Da mein Kumpel und ich eigentlich auch mal Such A Surge wenigstens gesehen haben wollten, blieben wir noch so lange. Und die Zuschauer, Hamburger Zuschauer, die größten Lahmärsche der Welt, erstaunten mich doch sehr. Die Band fing an und im selben Moment fing der ganze Saal an zu beben. Alles sprang und hüpfte und die ersten Leute waren noch bei den ersten Takten oben auf den Zuschauern. So etwas habe ich ja noch nie gesehen. Da nimmt sich einfach jeder vor, egal was kommt, jetzt wird gepogt. Und dann gings halt einfach los. Such A Surge waren nicht grundschlecht, aber meine Musik war es halt nicht. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die ja auch mal gut fand. Jedenfalls haben sie schon mehr los gemacht, als ich gedacht hätte. Aber dass es eine "Seid ihr gut drauf" Billigshow wird war abzusehen und so wurden alle Klischees bedient. Mein Kumpel wollte sich noch ein paar Songs richtig abreagieren, was ja bei Union Youth nicht möglich gewesen war und so langweilte ich mich mitten in dem ganzen Trubel vor mich hin und sammelte Becher vom Boden auf, für die es schließlich 1 Euro das Stück an der Theke abzuholen gab. 
Ach ja, als UY von der Bühne weg waren, habe ich mir die Playliste erkämpfen müssen. Ein Wesen (ob Frau oder Mann weiß ich bis jetzt nicht) wollte die mich aus den unerfindlichsten Gründen nicht mitnehmen lassen. Hier die Songs:
 
Inbreeding
Fruits For The Nation
Milk & Semen
Dead-Beat Type
Sister
Vamp
"nicht zu lesen" Through
Paranoia
Everything Too Short
 
 
Der Bericht wurde verfasst von Mick [0] 

 


wenn du durch eine Suchmaschine hergefunden hast, kommst du hier zur Startseite