Union Youth - 12.10.2002 Silverwings Berlin (Uncle Sally's Party)

 
Um Null Uhr soll das Konzert anfangen und langsam wird es spät. Ich gebe es schließlich auf, bestimmte Leute von einem Konzert zu überzeugen, welches diese, wenn sie wüssten, was sie erwartet, sich niemals entgehen lassen würden. Wenigstens einer ist neugierig interessiert oder wenigstens loyal und begleitet mich. Nur noch eine gute halbe Stunde Zeit, obwohl ich gerne auch ein bisschen bei der Uncle Sally's Party dabei gewesen wäre, und wir brauchen bei bester Verkehrsverbindung genau diese Zeit. Verbindung ist selbstverständlich beschissen und so steht man dann doch erst 15 Minuten nach zwölf vor dem Veranstaltungsort. Und natürlich halten viele moderne junge Menschen genau diese Zeit für die richtige, doch endlich mal zu der Party zu erscheinen. Wer pünktlich ist ist uncool. Somit gehören auch wir mal zu der coolen Menge und müssen deshalb über zwanzig Minuten in der Schlange stehen. Wichtige Leute drängeln sich am laufenden Band vorbei; die Glücklichen sind auf der Gästeliste und behindern den Fluss deshalb erheblich. Drinnen ist nichts zu hören, aber nach einem Anruf bei einer Person, die sich dort befinden muss, weiß ich dass es schon begonnen haben muss...ich höre nur Krach. Da ich die durchschnittliche Dauer eines Union Youth Konzertes kenne, weiß ich, dass es knapp wird und werde langsam hippelig. Endlich drinnen geht es plötzlich noch drei Treppen hoch, wichtige Leute strömen hinauf und andere kommen herunter während ich nun wirklich ungeduldig werde. Endlich stehe ich vor einem Glatzkopf, der aber direkt die Tür, hinter der er aufpasst, vor mir zuschlägt. Noch eine Minute drängendes Warten, dann darf ich rein und für ein Konzert, von welchem ich nicht erwarte, mehr als fünf Minuten zu erhaschen, 7 Euro zahlen. Geht aber noch und schließlich spielt dort nicht irgendeine Band. Stempel abgeholt und sofort rein ins Getümmel! Dieses gibts dort aber nicht, der Raum - Second Floor - ist nur locker gefüllt. In dieser luftigen Dunkelheit dieses angenehm kleinen Ortes prügelt meine Lieblingsband "Reverse Reverse" der scheinbar verstörten oder in jedem Fall größtenteils desinteressierten Zuhörerschaft um die Ohren. Ich bin sofort völlig begeistert und kann meinen Begleiter nur noch glücklich angrinsen. Er reckt dann beim folgenden "Dead-Beat Type" den Daumen in die Höre oben und ich weiß, dass er wirklich Geschmack hat. Ich möchte die Musik in vollsten Zügen inhalieren, drum drängle ich mich nach vorne und lehne mich selig lächelnd neben die Boxen, glücklich, diese Band schon nach 3 Wochen wieder vor mir stehen zu sehen. Der Krach hier ist ohrenbetäubend, ich glaube nicht, dass jemals ein Konzert so laut war.. Der Bass wummert mir nur so das Trommelfell zurecht, alles bewegt sich knapp vor der Schmerzgrenze. Passend zur Location und zur Musik ist aber alles tief dumpf gehalten, so spüre ich kein lästiges Kreischen im Ohr. Die Band drischt weitere zwei Songs in meine Gehörgänge, "Vampire" und "X-Fuck", die ich beide nicht kenne aber trotzdem liebe. Ich lehne dort, bin übermäßig zufrieden und fühle mich an mein erstes Jonas-Konzert auf einem kleinen Festival auf einem Dorf auf dem Land erinnert, welches das Beste Konzert aller Zeiten war. Ich kann gar nicht fassen dass sie tatsächlich noch vier Lieder spielen, drum genieße ich den Auftritt in vollen Zügen. Es ist nichts mehr zu steigern. Natürlich weiß ich, dass noch was kommen muss und endlich kommt wird auch "Everything Too Short" angestimmt. Die Gitarre, das Schlagzeug......das Solo, der Gesang, das Geschrei.....ich will durchdrehen. Mein Gott, Union Youth! Das furiose Finale klingt mit vergewaltigten Gitarren und einer nicht endenden Rückkopplung aus. Das ist Rock'N'Roll. Jetzt weiß ich es. 
 
 
Der Bericht wurde verfasst von Mick [0] 
 
 

wenn du durch eine Suchmaschine hergefunden hast, kommst du hier zur Startseite