UNION YOUTH
 
Hoffnungsvolle Band als Abziehbild von Nirvana.
Herausragende Musiker, doch wenig eigenständig.
Gefeiert werden sie. Fachmagazine überschlagen sich in Lobhudeleien; große amerikanische Plattenfirmen, allen voran die Flawless-Company von Fred Durst (Limp Bizkit), strecken ihre Fühler aus; gar ins Vorprogramm von Bush kommen die Norddeutschen. Kurzum: Union Youth, die am Samstag im Turm gastierten, werden derzeit zu den aussichtsreichsten deutschen Bands gezählt. Zu Recht?
Nach dem Tour-Abschluss in Halle bestehen ernste Zweifel. Zwar drückte ihr bretternder Gitarrensound unheimlich und strotzten ihre 45 Minuten Musik in einer selten gehörten Art von Volumen – doch vielseitig wurde das Ganze dadurch noch lange nicht. Fast schon einfältig wirkte das, was in seiner Gesamtheit bestens von Frontmann Maze verkörpert wurde: Der junge Mann – vielleicht etwas kleiner als sein Vorbild, „Nirvana“-Sänger Kurt Cobain – dafür mit dessen Lieblingsoutfit, einem Streifenshirt, bekleidet, und konsequent dessen Gesangseskapaden kopierend – war so meist nichts als ein Abziehbild. Andererseits aber lieferte die Band Riffs, die durchaus „Union Youth“- typisch sein könnten und Spaß machten, aber noch zu selten eingesetzt wurden.
So war jedem Konzertbesucher nach einer Viertelstunde klar, dass sie an diesem Abend im Turm nicht mehr viel zu erwarten hatten. Schade eigentlich um jene 100 Zuhörer, die nach und nach die Konzertebene verließen, so dass zum Schluss nur noch etwa die Hälfte der Musikfans übrig blieben. Die waren im Schnitt unter 20 Jahre alt und sortieren ihr neu gekauftes Union Youth-Album jetzt wohl im Regal hinter dem Nirvana-Nachlass ein.

Mathias Liebing

Zu lesen in der Mitteldeutschen Zeitung Halle vom 18.02.03

 


wenn du durch eine Suchmaschine hergefunden hast, kommst du hier zur Startseite