Union Youth wissen ganz genau, was sie wollen. Und was sie nicht wollen. "Schreib bloß nicht so was, als wenn wir die größte Band wären, seit es Rockmusik gibt. Das ist uns viel zu dick aufgetragen", sagt Sänger Maze. Haben die Jungs aus Bad Bentheim auch gar nicht nötig. Union Youth sagen alles, was sie zu sagen haben, mit ihrer Musik. Und die spricht für sich. Ihr erstes Album "The Royal Gene" war tatsächlich ein echter Glücksfall für die verschlafene deutsche Rockszene, und die Euphorie durchaus nachvollziehbar. "Fruits For The Nation" oder "Planet Of Pity" offenbarten großes Songwritingpotential, und so unbekümmert intensive Rocker wie "Thirteen", "Reverse" oder "Everything Too Short" kannte man sonst nur aus Amerika. Von dort kam auch das größte Interesse an der Band. 'Flawless Records' wollte Union Youth für einen enormen Betrag signen, 'Geffen' war ebenfalls interessiert. Aber das sind alte Geschichten, der Band wäre es peinlich, "heute noch darüber zu reden, dass Fred Durst vor Jahren mal die Band signen wollte." Unterschrieben haben sie dann bei der deutschen Firma 'Eastwest', die es in dieser Form heute nicht mehr gibt. Was Union Youth zu einem scheinbar ungünstigen Zeitpunkt die Kündigung einbrachte.

 "Wir sind gedroppt worden, als wir gerade im Studio waren", erzählt Drummer Bowy. "Da hatten wir natürlich Angst", gibt Maze zu. "Wir hatten uns gerade für einen coolen Produzenten entschieden und angefangen, das neue Album aufzunehmen, und auf einmal sagt uns jemand, dass wir keinen Plattenvertrag mehr haben. Wie sollten wir das alles bezahlen, was wir hier gerade machen?" Es stellte sich aber dann schnell heraus, dass sie einen guten Deal hatten, bei dem sie finanziell durch den Rauswurf nicht ganz ohne leere Hände dastanden. "Wir haben schon noch eine kleine Schüppe Geld bekommen und konnten die Platte dann zum Glück genau so machen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Letztendlich konnten wir also die Platte so aufnehmen, ohne dass da Leute waren, die gesagt hätten, macht das mal so oder so." Der Mann, der ihnen das im Studio dann aber doch sagen durfte, heißt Michael Ilbert. Ilbert ist Schwede und hat sich durch seine Arbeit als Mixer für z.B. Hellacopters und The Hives, Cardigans und Tocotronic einen Namen gemacht. "Er fand uns nicht auf Anhieb cool", sagt Maze. "Der Mann hat uns permanent vor den Kopf gestoßen, hat die Demos, die wir aufgenommen hatten, von vorne bis hinten auseinander genommen. Andere Leute, mit denen wir uns getroffen haben, haben uns dagegen gesagt, dass alles super ist, was wir machen."

Aber Speichellecker sind auch etwas, was Union Youth nicht wollen. "Je mehr wir darüber nachdachten, haben wir gemerkt, dass Ilbert der Einzige war, der sich wirklich Gedanken über unsere Songs gemacht hat. Er war eben nur ehrlich und hat uns genau gesagt, welche Sachen er doof findet und anders machen würde." Wie groß auch immer der Anteil von Producer Ilbert und Fireside-Gitarrist Pelle Gunnerfeldt, der für den Mix verantwortlich war, gewesen sein mag, die Zusammenarbeit in einem Studio in der "dänischen Pampa" (Bowy) hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen. Es lief dann wie beim letzten Mal, mit der fertigen Platte in der Tasche ging die Band auf Labelsuche, wohl wissend, dass die Zeiten für eine deutsche Band aus dem Alternative-Rock-Sektor momentan nicht gerade rosig sind. "Das Klima für deutsche Bands ist mieser denn je", klagt Bowy. "Alles, was man machen will, stößt auf Widerstand." Doch Qualität setzt sich eben durch, und so gab es auch für "The Boring Years" ein Angebot aus Amerika. Die Entscheidung fiel aber dann zugunsten des hoch motivierten 'Eat The Beat'-Labels, "weil da Leute sitzen, die richtig Lust haben, das mit uns zu machen, und uns auch nicht nur als irgendeine kleine Nummer sehen."

Kleingeistiges Denken wäre angesichts dieser souveränen Rock-Breitseite auch definitiv fehl am Platz. Das Album ist beeindruckend satt produziert, was der etwas härteren Ausrichtung der Songs sehr zugute kommt. Schon bei den ersten drei Nummern, dem heftigen "Yeah", dem tighten Riff-Rocker "About This Ride" oder der energetischen Singleauskopplung "Sweet Song", wird mächtig Gas gegeben. "Vorher haben wir meist auf die Laut/Leise-Dynamik gesetzt", erklärt Maze. "Und im Refrain wurde geschrieen. Diesmal wollten wir mehr auf den Song schauen."

Und der Blick auf die Songs macht richtig Spaß. "Dressed Like Dolls" klingt nach gut abgehangenem Britrock, relaxt aus der Hüfte gespielt, "I Would Swear If I Could" ist ein düsterer Slomo-Wälzer, sparsam, aber höchst effektvoll instrumentiert. Selbst ein ruhigerer Track wie "Back In The Sun" kommt hier ohne peinliches Wunderkerzenfeeling. Und dass Union Youth die heavy Seattle-Schule beherrschen, wussten wir ja schon vor "Request", "Straight And Narrow" oder "China Head". Beim lakonischen "Laburnum" wird mancher wohl wieder an Nirvana denken. Womit wir erneut beim Thema "Was Union Youth nicht wollen" wären. "Das ist das Ding, was uns die ganze Zeit am meisten runter gezogen hat", stöhnt Maze. "Seit wir zusammen Musik machen, kam immer der Nirvana-Vergleich. Mittlerweile kann ich das ein bisschen nachvollziehen, wenn ich mir unsere erste Platte anhöre. Andererseits hatte ich auch ein bisschen den Eindruck, dass die Leute schon an Nirvana dachten, wenn sie uns nur gesehen haben." Jetzt sollte der Vergleich ein für allemal abgehakt sein, "The Boring Years" ist ein verdammt reifes, durch und durch eigenständiges Album, das nicht nur in Deutschland seinesgleichen sucht.

- Dirk Siepe (Promo-Text von Eat The Beat)

 


wenn du durch eine Suchmaschine hergefunden hast, kommst du hier zur Startseite