THE BORING YEARS

 

The Boring Years

 

Union Youth sind wieder da! Länger hat es gedauert als manch einer wohl vermutet hat, wurde doch allerorten gemunkelt, dass der große Durchbruch nicht lange auf sich warten lassen würde. Doch woher einen Durchbruch nehmen ohne neues Album? Nun haben Sie es dennoch geschafft, es war auch leichter gesagt als getan. Wurde ihre alte Firma doch dichtgemacht. Doch darum scherte man sich wenig, suchte sich einen fähigen Produzenten, Michael Ilbert aus Schweden, nahm in mehreren Arbeitsgängen in der dänischen Pampa eine Hand voll Songs auf und suchte nach Plattenfirmen, die das fertige Album plus Band haben möchten. Eat The Beat wollten und bekamen den Zuschlag und ich habe jetzt die CD in der Hand. Hübsch ist es, das Cover, in rot, recht unauffällig aber nicht egal.

Nach dem ersten Durchlauf war ich ein klein bisschen ratlos, war diese Scheibe doch anders als erwartet. Ich konnte keinen Hit finden und 36 Minuten Spielzeit nach fast drei Jahren...das ist doch ein klein wenig mager. Die psychologische Grenze von 40 Minuten hätte gerne überschritten werden können. Beim zweiten Hören fing an, sich das ganze zu entfädeln und beim dritten mal dann war ich schließlich begeistert. Der erste Titel "Yeah" kracht los, wie ein Opener nur im besten Fall loslegen kann. Von der Intensität erinnert es mich an "Planet Of Pity", der Gesang aber ist ganz anders als man ihn bisher kannte. Recht melodiös, nicht nur Geschrei, um dann von dem äußerst eingängigen Gitarrenriff durchbrochen zu werden. Ziemlich düster gehts weiter, "About The Ride". Dieser Track hätte ganz gut auf das alte Album gepasst...wenn da nicht der erstaunliche Refrain wäre. Wieder überraschend melodiös, fast poppig, mehrstimmig. Direkt anschließend die erste Single (nur für Radios und DJs) "Sweet Song". Beim ersten mal seltsamerweise nicht als Hit erkannt, beim zweiten Hören gleich mitgewippt. Jetzt kann ich gar nicht mehr von lassen. Kann mir kaum vorstellen, dass das nicht in den Clubs ankommt. Großartige Single, wirklich! Muss nur noch käuflich sein. Extrem groovy übrigens, mit sowas von einem netten Gitarrenspiel, wer da nicht rocken will, dem ist auch nicht mehr zu helfen. "Back In The Sun" ist das nächste und fährt angemessenerweise einen Gang runter. Wieder etwas düsterer, aber mir gefällt es nicht hundertprozentig. Zu verspielt, kaum zu fassen, der Refrain gewöhnungsbedürftig poppig. Radiotauglich. Aber teilweise so verfrickelt dass ich mir wirklich nicht sicher bin, ob meine Pressung vielleicht einen Fehler ausweist. Ich kann mich jedenfalls auch nach mehrmaligem Hören nicht dran gewöhnen. Aber als nächstes beginnt "Dressed Like Dolls" mit einem Gitarrensolo auf das die Queens Of The Stoneage stolz wären. Sehr fett, fast wüstenrockig marschiert dieser Titel übers vertrocknete Feld. Schöne Gitarre, dramatischer Gesang, treibende Drums. Und dann, ja dann folgt die Nummer sechs: "I Would Swear If I Could". Hat mich beim ersten Hören erstaunt aufhorchen und meine Beine nicht mehr stillhalten lassen. Und hatte ich ganz schnell als Ohrwurm. Das ist eine handfeste Ballade! Und so eine schöne!!! Das treibt einem fast die Tränen in die Augen, so schön ist sie. Der leidende Gesang (Gesang!), dieses wundervolle Gitarrenspiel, das Solo dazwischen...die einzigartige Dramatik. Wow! Ich glaube, das bringt selbst den härtesten Rocker zum Schmachten. Erinnert mich übrigens an die frühen Jonas, es ist nur besser produziert. Natürlich wird so ein Titel nicht so im Raum stehen lassen, es folgt ein sowas von einem  fetten Einstieg; in "Request". Das ist wieder so ein sehr abwechslungsreiches Stück. Dicke Gitarren, wummernder Bass, bissiger Gesang und am Ende dann nochmal so dermáßen Rock!! "Laburnum" fängt mit Gesang an, bei dem Mazes Stimme kaum zu erkennen ist, um dann alles in Gitarrenbrei zu ertränken. Sehr nett, passt gut zum Rest. Direkt weiter geht's mit "Chinahead", einem äußerst eingängigen Breitwandrocker. Gute Melodie, sehr aggressiver Gesang, gemischt mit Geschrei. Auch ohrwurmfördernd, wären da nicht die dauernden Brüche. Am Ende wieder so fette Gitarren, dass die Melvins neidisch würden. Wir nähern uns langsam dem Ende, die Nummer zehn "Migratory Bird" fängt so an, wie der Vorgänger aufgehört hat, fett, wie halt fast alles. Der Gesang etwas poppiger, aber wieder die kaum zu erfassenden Brüche mitten im Lied. Und schließlich "Straight And Narrow". Fängt superböse an, rockt dann noch mehr als alles andere bisher. Von Gesang kann hier teilweise nicht mehr die Rede sein. Geht aber so flutschig in die Gehörgänge...wer auf früheren Konzerten war, kann sich vielleicht noch an den Titel erinnern. Und nach 36  Minuten ist schließlich Schluss.

Fazit: Eine CD, die gut an das vorherige anknüpft, ohne das gleiche zu wiederholen. Mir persönlich gefällt sie noch besser als das Debütalbum, denn sie ist abwechslungsreicher. Hier kann fast jeder was für sich finden und trotzdem passt alles zusammen, wie es ist. Ein oder zwei Titel gefallen mir etwas weniger, das holen andere dafür doppelt auf. Wenn "Sweet Song" nicht als Single ausgekoppelt wird, was dann? "I Would Swear If I Could" würde eine prächtige abgeben, wäre aber etwas verlogen, schließlich ist der Rest des Albums so ganz anders. Dann wohl eher "Back In The Sun", auch wenn es mir am wenigsten gefällt. Ansonsten ist einfach nichts so richtig hit-taugliches dabei. Dafür haben wir hier einen wirklich großartigen Nachfolger zu "The Royal Gene", der so undeutsch klingt, dass es kaum zu glauben ist. Ich erwarte nicht, dass die Jungs jetzt irgendeinen Durchbruch, welcher Art auch immer feiern können, aber ihre Fans werden sie mehr als erfreuen und neue können sie sicherlich auch rekrutieren. Jetzt also bitte in einem Jahr noch so einen Knüller herausbringen und dann ist auch alles möglich.

 


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